Der Geschichtenerzähler in der Wüste Indiens

Der Geschichtenerzähler in der Wüste Indiens

Wieso wir die Wahrheit vergessen sollen.

 

Während unseren Besuchen in Indien haben Sonja und ich schon sehr viel Außergewöhnliches erlebt. An den unterschiedlichsten Plätzen zeigen sich Seelen, die ihre Geschichte erzählen wollten. Manche waren stumm und verwirrt. Die geistigen Bilder verließen mich nicht bevor ich mit ihnen Kontakt aufnahm. Immer wieder kontaktierten mich vergessene Seelen. Das ist da eigentlich schon völlig normal. Nun mir ist bewusst, dass das immer und überall geschehen kann. Meist benötigen diese Kräfte in irgendeiner Art und Weise Hilfe. Wenn ich kann, dann verschenke ich diese Hilfe, wo immer sie gebraucht wird.

Diesmal jedoch war es anders.

 

Der Geschichtenerzähler in der Wüste Indiens

 

1. So will ich dir heute eine andere Geschichte erzählen.

Sie geschah in der indischen Wüste in Jaisalmer. Nach einem eher unangenehmen Wüstenritt auf einem für mich viel zu schmalen Kamelsattel, wollte ich mich nur noch entspannen.

Lass dich entführen in eine andere Welt. Die Stimmung ist einmalig. Die leere Wüste wurde nur von ein paar wenigen Besuchern entdeckt. Der curryfarbene Sand war überraschend fest. So genoss ich das Landen auf meinen nackten Füßen. Mein Kamel wollte mit mir nicht reden. Naja, dann lass ich das Reiten erstmal. Ich stieg ab. Sonja war schon entlang der Dünen fleißig am Genießen und fotografieren. Ihre Bilder sind so entspannend. Ich liebe die Schönheit in ihren Aufnahmen. So genoss ich ein paar Minuten auf den extra aufgestellten Betten alleine.

Die Decken waren dick und der Abend kroch schon mit langen Schatten zu uns herbei. Herrliches Fladenbrot, Reis und unbekanntes Gemüse wurden uns gereicht. Irgendwie waren wir für alles dankbar. Das Essen wurde frisch am offenen Feuer gekocht. Es war himmlisch einfach und unaufgeregt gut.

Meine Seele jubelte. Endlich in der Wüste angekommen. Gut, der Kamelritt war eher ein Durchschütteln all meiner Anteile meines Körpers, das hatte ich angenehmer in Erinnerung. Was solls.

Langsam kam ich wieder zu mir und hörte meine innere Stimme flüstern: „Komm zur Ruhe, höre auf das Flüstern der Wüste. Es ist viel mehr los als du denkst. Die Leere ist die Fülle Gottes.“

Hmm, somit wusste ich, dass etwas auf mich wartet. Ich aß zu Ende und machte es mir gemütlich auf meinem spartanischen Bett. Wie so oft zündete ich eine dicke Räucherpaste an und steckte diese in den Sand. Irgendwie der perfekte Platz um viel zu Räuchern. Ich musste lächeln. Wie eine riesige Räucherschale diese Wüste. Genial.

Im Krishna Tempel in Jaipur habe ich wunderbare Räucherpasten entdeckt. Ich habe noch nie zuvor sowas gesehen und gleich in mein Herz geschlossen. Eine ca. 1 cm dicke schwarze Paste, die beim Anzünden weiß raucht. Ein himmlisches Gemisch aus unzähligen und undefinierbaren Kräutern. Ich genieße jedes einzelne Kraut.

 

Der Geschichtenerzähler in der Wüste Indiens

 

2. „Für euch Geister des Platzes!“

begann ich meine Kontemplation. Die erste Räucherung gehört immer den Spirits. Ganz dem universellen Gesetz zuerst geben, dann nehmen.

Der sanfte Wind begann den weißen Rauch in die Wüste zu tragen. Dankbarkeit erfüllte zugleich mein Herz. Es war weder heiß noch kalt. Die Luft kühlte schon ab. Der Abend kündigte sich an. So legte sich ein Hauch der Entspannung über den Platz umringt von magerem Gestrüpp.

Ich schloss meine Augen und fühlte wie sich diese unendliche Weite in mein Innerstes einen Weg bahnte. Ich ließ es geschehen. Verbunden sein mit allem was ist. Wie oft habe ich darüber gelesen, gehört und gewünscht.

Doch wann ist das wirklich möglich? Wann können wir alle Grenzen in uns und um uns herum so aufgeben. Alle Wünsche nach Kontrolle und Wissen wollen aufgeben?

Wie das geht?

Ja, hier in der Wüste, da funktioniert das. Ich ließ mich fallen. Ich spürte wie diese äußere friedliche Stimmung sich in meiner Seele einnistete. Es fühlte sich an wie ein Mantel aus purem feinsten Samt. Du legst ihn um. Dein Körper und deine Seele fühlen sich sofort beschützt und gehalten.

„Diese Geborgenheit erhebt dich aus den Sorgen des Alltags in die Liebe der Göttin.“ Hörte ich plötzlich eine sanfte Männerstimme.

Ich öffnete meine innere Hellsichtigkeit. Mein inneres Auge strahlte nun klar in die immer dunkler werdende Wüste. Die Mondin erschien hell und klar am indigoblauen Himmel. Es war sehr hell durch ihre Kraft. Die Stimmung war durch sie noch mystischer als zuvor.

So sah ich einen Mann mit einem weißen Turban am Kopf plötzlich neben unseren Betten sitzen. Es schien, als freut er sich über die starke Räucherung. So wehte seine weite, weiße Kleidung im immer wieder aufkommenden Wind.

Ich war überrascht und begrüßte ihn mit einem Kopfnicken. Er nickte lächelnd zurück. Voller Achtung und sehr respektvoll spürte ich seine weise Präsenz.

 

Der Geschichtenerzähler in der Wüste Indiens

 

3. Es war ganz in sich ruhend.

Ich begrüßte ihn und unsere Kommunikation fand ab nun telepathisch statt.

„Ich bin ein Geschichtenerzähler. Ich weiß um die Botschaften der alten Zeit. Deine Seele hat mich gerufen. Hier bin ich nun.“Begann er unser ungewöhnliches Gespräch.

Ziemlich verwundert freute ich mich über seine fliesenden Worte. Es war als kannte ich seine Stimme. Irgendwie war er mir seltsam vertraut und doch völlig neu.

Ich war verwundert, denn ich hatte gar keine Fragen im Kopf. Ich wusste also gar nicht was ich fragen soll. So vertraute ich weiter der göttlichen Führung, die mich immer nur dorthin führt, wo es gut ist für mich.

„Ich werde dir die anderen Geschichten erzählen. Ich reise seit Jahrhunderten um die Welt. Ich inspiriere die Menschen wieder Geschichten zu erzählen. Vieles wurde bereits vergessen oder verdreht und falsch gedeutet. Ich bin hier, weil ich dir lehren will die richtigen Geschichten zu erzählen. Auch du bist eine Geschichtenerzählerin. Erinnere dich.“

 

Der Geschichtenerzähler in der Wüste Indiens

 

4. Sehr überrascht von seinen deutlichen Worten begann ich nachzudenken.

Ich bin eine Geschichtenerzählerin? So hab ich das noch gar nie gesehen. Ja, seit Kindheit an liebe ich es Geschichten aufzuschreiben. Ich habe sie eher geschrieben als erzählt. Doch die Schulzeit hat mit ihren Fehlerkorrekturen meine Ideen immer wieder blockiert. Meine Inhalte waren meist gut und unterhaltsam. Jedoch habe ich nie gute Noten in Deutsch gehabt wegen den Rechtschreibfehlern, fehlenden Beistrichen usw. Vielleicht kennst du das ja auch aus deiner Schulzeit?

So habe ich lange Zeit aufgehört zu schreiben. Erst wieder seit der Eröffnung des Blogs beginnt diese Kraft wieder zu fließen. Übrigens kam der Auftrag mehr zu schreiben auch bei einer Indien Reise. Es war die allererste. Dem bin ich dann gefolgt.

 

5. Zurück zu dem weisen Geschichtenerzähler.

Mit seinen klaren Worten holt er mich schnell zurück aus meinen Gedanken der Vergangenheit. „Viele Systeme haben versucht die Macht der Geschichtenerzähler zu zerstreuen. Genauso wie du es erlebt hast. Viele haben aufgehört ihrer inneren Stimme zu vertrauen. Jetzt ist aber Zeit, dass du meine Geschichte hörst.“

Ich merkte wie meine innere Haltung in eine glasklare Aufmerksamkeit überging. Ich spüre immer eine spirituelle Wichtigkeit, indem sich mein Körper innerlich aufrichtet und meine Gedanken völlig leer und aufnahmebereit werden. Da bin ich dann das offene Gefäß, das es für diese Übertragungen braucht.

„Einmal in einer alten Zeit, waren die Geschichtenerzähler sehr geachtet. Sie reisten viel herum. In den Orten, wo sie dann ankamen, freuten sich die Menschen, wenn sie erschienen. Sie setzten sich abends, nach getaner Arbeit gemeinsam ans Lagerfeuer und aßen miteinander. Wenn alle satt waren, dann lauschten sie freudig den Neuigkeiten des Fremden. Technische Zerstreuungen der heutigen Zeit gab es nicht. So lag sehr viel Verantwortung in den Berichten dieser meist sehr weisen Reisenden.

Sie berichteten von den schönen und weniger schönen Ereignissen der umgebenden Dörfer. Wenn ich durch die Wüste geritten bin, hatte ich immer viel zu erzählen. Wie ich mich von Schlangenbissen heilte, die Skorpione zu lesen begann und Käfer als Wassersucher mich begleiteten. Sie wissen immer wo es Wasser gibt.

Nach einigen alltäglichen Geschichten jedoch begann der Seelenunterricht. Die Älteren wussten bereits, dass sie viel von den Geschichtenerzählern lernen konnten. So wichen den praktischen Tipps nun spirituelle Weisheiten.

Träume wurden erklärt und gedeutet. Die Mondstellung besprochen. Wann für was der richtige Zeitpunkt ist. Das las man aus der Stellung des Mondes. Zeiten der Arbeit und Zeiten der Ruhe wurden so den Generationen vermittelt. Niemand schrieb mit. Die Aufmerksamkeit war so hoch, dass die meisten sich alles in ihren Köpfen merkten. Gemeinsam wiederholten sie das Gesagte am nächsten Morgen. Falls es Unklarheiten gab, wurden die am nächsten Tag gleich wieder am Lagerfeuer besprochen.

Wenn diese Menschen Glück hatten, dann war der Geschichtenerzähler noch da. Gerne half er weiter mit seinem umfangreichen Wissen und Weisheit, die er ein Leben lang gesammelt hatte. Dafür bekam er Essen, genügend Trinken und einen warmen Schlafplatz.

Wenn der weise Mann oder die weise Frau auch ein/e Heiler/in war, dann bot er seine Hilfe für die Kranken. Oft trug er Gewürze und Kräuter aus der Ferne bei sich. Diese übergab er dann oder tauschte gegen Nützliches. Das machte ihn sehr beliebt. Irgendwann haben sich dann daraus die Barden und später der Medicus entwickelt. Viel später.

Manche waren gut, andere weniger. Als die Geschichtenerzähler verschwanden, wurden die Verkäufer von Heilmitteln mehr. Dann kamen auch der Betrug und der Schwindel durch falsche Medizin in diese Zunft. Der Anfang vom Ende der weisen Wanderer. So waren auch sie dem Untergang geweiht.

 

Der Geschichtenerzähler in der Wüste Indiens

 

6. Die echten Geschichtenerzähler verschwanden.

Die Lügner und puren Verkäufer übernahmen das Revier. Das Vertrauen der Menschen in diese Fremden verschwand. Niemand wollte mehr ihren Lügen zuhören. Die Lagerfeuer blieben leer. Der Untergang war besiegelt. So starb diese Art der Menschenfreude fast aus. Viele waren bemüht, jedoch die echten, ehrlichen Helfer der einfachen Menschen verschwanden.

Leider wurden so auch die heilenden Geschichten vergessen. Viele früher selbstverständliche Heilmethoden gerieten in Vergessenheit.

 

7. Jetzt ist es wieder an der Zeit neue Geschichten zu erzählen.

Die Menschheit ist ausgelaugt von den vielen Lügen. Die Unwahrheiten haben einen dunklen Schleier über das Bewusstsein der Menschen gelegt. Hebe diesen Schleier durch lichtvolle Berichte und Erzählungen. Lass die Menschen wieder lachen und fröhlich deinen Worten folgen. Die Herzen wissen ganz genau was sie brauchen. Sie müssen nur wieder lernen hinzuhören.

Zu lange hat die Dunkelheit uns zum Schweigen gebracht.

Jede Seele trägt heilende Geschichten in sich. Fordere die Menschen wieder dazu auf, ihre Geschichten aufzuschreiben und zu erzählen.

Diese Geschichten schreibt die Seele.

Hier mein Auftrag an dich. Erinnere die Menschen daran, dass sie ihre Seele freischreiben können. Sie können ihre Seelenkraft aktivieren, indem sie wieder über die wirklich wichtigen Dinge sprechen und schreiben.

Das klingt ja ganz einfach und doch ist es für viele Menschen noch so schwierig über ihr Innerstes zu reden. Schreiben ist der Anfang. Er ist ganz leise und nur für den, der es tut. Dann wird es lauter und du beginnst deine Wahrheit zu sprechen. Genauso funktioniert Heilung.

„Am Anfang war das Wort. Und das Wort war Gott.“

Kannst du dich erinnern? Du kennst diese Worte seitdem du inkarniert bist. Der Ruf gilt für alle, die es hören wollen. Lass sie schreiben und sich frei sprechen.“

Ich hörte und fühlte seine Worte. Mein Herz öffnete sich und ich spürte wie wahr sein Aufruf war und ist.

  • Wie viel echtes und wahres wird aus Angst nicht ausgesprochen?
  • Wie viel Schweigen vernichtet das Vertrauen und die Liebe zwischen zwei Menschen?
  • Wie viel Enttäuschung trägst du in dir, wenn du draufkommst, du wurdest belogen?
  • Wie viele Lügen brauchen wir noch bis es endlich so weh tut und wir etwas ändern?

 

Der Geschichtenerzähler in der Wüste Indiens

 

8. Viele Gedanken gingen mir nun durch den Kopf.

Schreiben, erzählen… Geschichten verbreiten. Eigentlich war es das, was ich immer schon geliebt habe.

„Ich danke dir für deine Erinnerung. Die Kraft der wahren Geschichten heilen auch meine Seele.“ Strahlend lächelt mein Herz seine alte, erfüllte Seele an. Ich spürte den Gleichklang in unserer Begegnung. Sie verankerte sich tief in meiner Seele.

Welche Kraft strahlt aus so viel innerer Ruhe? So viel pure, freie, bedingungslose Liebe. So ging ich am nächsten Tag los, setzte mich auf die Dachterrasse unsers Sandsteinhotels und begann zu schreiben. Manchmal ist da Leben dann doch wieder so einfach.

Wann hast du das letzte Mal deine Seele freigeschrieben?

Danke dem weisen Wüstenmann. Er ist nun bei mir und immer wenn ich eine Frage habe, dann setze ich mich zu ihm in die Wüste zu unserem kleinen Lagerfeuer. Ich werde still und lausche seinen Geschichten. So wie wir es immer getan haben …

Hörst du sein Flüstern? … Der Wüstenwind trägt es auch in deine Träume … du erlaubst dir still zu werden … dann geschieht so ein Geschenk von ganz alleine.

Der Geschichtenerzähler in der Wüste IndiensLächelnde Grüße
Schickt dir deine
Maaryam die Drachenfau
Dessert Gipsy

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